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02.09.2013

"Berlin, du bist so wunderbar"


„Berlin, du bist so wunderbar“ heißt es in einem alten deutschen Lied.

Um herauszufinden, wie wunderbar die deutsche Hauptstadt wirklich ist, begaben wir uns dorthin auf eine Studienfahrt zum Abschluss unserer Ausbildung.

Am 08.07.2013 trafen sich die Schüler/innen des A- und B-Kurses 2010/2013 morgens in Lahr am Bahnhof. Um 9.07 Uhr fuhr unser Zug nach Offenburg ab. Dort hieß es umsteigen in den ICE. Von dort an war unsere Gruppe vollständig, in voller Montur mit Abschluss-T-Shirts (und das, ohne den Abschluss überhaupt in der Tasche zu haben) und voll gespannt auf die kommenden drei Tage. In einer „Rekordzeit“(Rekordzeit vor allem im Vergleich zur Heimfahrt) von nur sechs Stunden brachte uns der ICE an den 1,2 Milliarden Euro teuren Berliner Hauptbahnhof, was uns nach der zwar kurzen aber doch relativ ermüdenden Zugfahrt allerdings herzlich wenig beeindrucken konnte und keinen von uns interessierte. Umso interessanter war dafür, den schnellsten und einfachsten Weg zu unserem Hostel in Berlin-Kreuzberg zu finden. Handy-Navigations-Smartphone-all-in-one-Geräte halfen uns dabei, uns auch als selbsternannte „Landeier“ in der Millionenmetropole gut und relativ schnell zurechtzufinden. Einige aus unserer Gruppe waren besonders schlau und hatten anstatt von Koffern Taschen mitgenommen und schleppten nun um die Wette (ein ganz einfacher aber sehr heißer Tipp an alle Nachfolgenden: NIEMALS Taschen mitnehmen, immer Koffer!!).

Im Hostel angekommen wurden die Zimmer aufgeteilt, wir alle waren so glücklich, endlich angekommen zu sein und auch unsere zwei Begleiterinnen Frau Ullmann und Frau Pfeiffer wirkten recht zufrieden. Den Abend konnten wir nach Lust und Laune nutzen - und die Laune war sehr gut, so dass sich die Gruppe in Kleingruppen aufteilte. Berichten anderer Gruppenmitglieder zufolge wurden wohl die Spree und der Potsdamer Platz besucht und wir alle bekamen einen – natürlich wunderbaren – ersten Eindruck von Berlin bei Nacht.

Am nächsten Morgen frühstückten wir um 7.30 Uhr, natürlich hatten wir auch wunderbares Wetter. Und da eine Stadtführung in Berlin praktisch ein Muss ist, diese tagsüber am meisten Sinn macht, war das gleich unser erster Programmpunkt. Unsere – in einem Wort zusammengefasst – wunderbare Stadtführerin erwartete uns schon vor dem immer noch 1,2 Milliarden Euro teuren Hauptbahnhof. Mit einem gelben Schirm als Markenzeichen bewaffnet führte sie unsere Gruppe zuerst zum Bundeskanzleramt, dann zum Bundestag, zu den Denkmälern für Mauerflüchtlinge, zum Brandenburger Tor und zum Holocaustdenkmal, welches einem Labyrinth ähnelt. Die Stadtführerin redete und erzählte, als bekäme sie für jedes gesprochene Wort extra Geld. Alles in Allem war die Stadtführung aber ziemlich informativ, interessant und natürlich wunderbar.

Im Anschluss ging es direkt weiter zum Ministerium für Familien und Senioren, wo wir zunächst einen Vortrag über sie Arbeit im Ministerium bekamen. In der darauffolgenden Diskussionsrunde regten wir natürlich auch an, dass Pflegekräfte besser bezahlt werden sollten – mal sehen, ob unser Bankkonto demnächst überläuft :-).

Das schöne Wetter lud uns mittags, wieder in Kleingruppen, entweder zu einer Bootstour auf der Spree, einem Stadtbummel oder einem Besuch des Wannsee-Strandbades ein (wieder ein heißer Tipp für alle nachfolgenden Besucher des Wannseebades: AUF KEINEN FALL! An der S-Bahn-Station „Wannsee“ aussteigen, sondern eine Station früher – warum die „Wannsee“-Station so heißt, wissen wir auch nicht so genau...). Am Abend gab es dann die Gelegenheit, eine „echte“ Berliner Currywurst zu essen - wobei, die Gelegenheit gibt es eigentlich rund um die Uhr. Neuer Tipp: Oft bekommt man in Berlin eine Orangenscheibe zu warmen Speisen dazu- bitte nicht mit einer Zitrone verwechseln und auspressen, könnte peinlich werden :-).

Außerdem bot der Abend auch die Gelegenheit, eine der zahlreichen Diskotheken zu besuchen (und die Gelegenheit gibt es jetzt wirklich nur abends). Wer noch Kraft in den Beinen hatte, konnte mit Pumps bis aufs (Flach)dach einer Diskothek am Alexanderplatz kraxeln und die wunderschöne Aussicht auf den Beleuchteten Fernsehturm genießen. Nicht ganz so wunderbar waren die Preise, mal so am Rande erwähnt.

Am 3. Tag besuchten wir morgens das Museum der Charité. Und wir stellten fest: Einmal Landei, immer Landei. Wir verfuhren uns unzählige Male mit der U- und Straßenbahn, bzw. die Straßenbahnen und die U-Bahnen fuhren frecherweise einfach wie sie wollten und hielten sich keine Spur an unseren persönlichen Fahrplan :-). Mit etwa einstündiger Verspätung kamen wir an der Charité an. Die Museumsführerin ignorierte die Verspätung einfach, war trotzdem sehr freundlich und kompensierte den Zeitverlust ganz einfach durch schnelles Reden. Im Museum selbst gab es dann praktisch alles zu sehen, was man (als gesunder Mensch) eigentlich gar nicht sehen möchte und bei dem ein oder anderen aus der Gruppe ein „Iiiihhhhhhh“ oder „bääääh“ erzeugte: Konservierte Organe mit sämtlichen vorstellbaren Erkrankungen, Fehl- und Missbildungen, Ekzemen, Tumoren etc. Interessant war der Museumsbesuch trotz Ekel-Faktor allemal.

Die meisten bummelten am Mittag durch die Stadt und abends traf sich die Gruppe zum gemeinsamen Abschlussessen. Was wir in der Disko „zuviel“ ausgegeben hatten, sparten wir hier wieder- die Preise waren sehr schülerfreundlich...

Am vierten und letzten Tag in der wunderbaren Hauptstadt besuchten wir noch den Bundestag. Oben auf der Kuppel genossen wir die Aussicht und machten Berlin-Abschlussfahrt-Gruppen-Erinnerungsfotos. Fragte man nach Toiletten, wurde man nach unten verwiesen: „Toiletten gibt es da unten auf dem Platz“. Unten angekommen fragten wir, wo denn nun die Toiletten seien. Antwort: „Na da oben auf der Kuppel“. Tipp: NIEMALS im Bundestag auf Toilette müssen.

Nach dem Besuch des Bundestags hatten wir noch Freizeit und die sah für einige uns wie folgt aus: Geeignete Straßen- und U-Bahnlinien zurück zum Hostel finden, dort Koffer oder Taschen abholen und in Eigenregie zurück zum 1,2 Milliarden Euro teuren Hauptbahnhof finden. Okay, aber das alles in nur drei Stunden = Höchstleistung. Treffpunkt am Hauptbahnhof war für 14 Uhr vereinbart, unser ICE sollte um 14.15 Uhr abfahren. Auf einmal, es war etwa 13.35 Uhr, wurden wir auf das laute und verzweifelte Rufen von Frau Ullmann und Frau Pfeiffer aufmerksam: Unser Zug fuhr nun doch schon um 13.45 Uhr und dazu noch von einem anderen Gleis. PANIK!! Es waren noch nicht alle aus unserer Gruppe zu sehen. Würden wir es rechtzeitig schaffen?

Wie wunderbar war unser Gefühl, als die komplette Gruppe um 13.45 Uhr gemeinsam in den ICE einsteigen konnte. Dieses wunderbare Gefühl verschwand allerdings fast so schnell wie es gekommen war, als die Deutsche Bahn uns mitteilte, dass wir mit mehrstündiger!!! Verspätung rechnen mussten. So dauerte die Fahrt anstatt von 6 Stunden insgesamt 9,5 Stunden und wir wurden zuletzt fast noch durch diese Fahrt wortwörtlich in den „BAHNsinn“ getrieben.

Trotz des etwas nervenaufreibenden Endes der Studienfahrt war diese wirklich gelungen, schön und erlebnisreich, kurz gesagt: wunderbar.

Danke auch an unsere zwei Begleiterinnen die für die Informationssammlung, Formulierung des Programms, Zielsetzung und Planung und Durchführung der Maßnahmen verantwortlich waren und die unsere Launen immer tapfer ertragen haben!

„Berlin, du bist so wunderbar“ – das können wir nur bestätigen.

Miriam Seidenberg, August 2013